Buchkritik -- Hansjörg Pfister -- Philosophische Einführung in den frühen Buddhismus

Umschlagfoto  -- Hansjörg Pfister  --  Philosophische Einführung in den frühen Buddhismus Die Literatur über den Buddhismus ist zahlreich, um nicht zu sagen fast unüberschaubar. Trotzdem unternimmt ein Autor, Hansjörg Pfister, das Wagnis, noch ein Buch über dieses Thema zu veröffentlichen. Doch der Leser, egal ob interessierter Laie, oder schon einschlägig informiert, tut gut daran, nicht achtlos an diesem Werk vorüberzugehen. Die Philosophische Einführung in den frühen Buddhismus ist eine explizite Darstellung der Lehre Buddhas. Da der historische Buddha keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen hat, bezieht sich der Autor zu recht auf die ältesten buddhistischen Schriften. Der Palikanon wurde in den Jahren 480 v. Chr. bis 251 v. Christus zusammenstellt. Die zeitliche Nähe zu Siddhattha Gotama, dem späteren Buddha, ist die beste Gewähr dafür, daß die Lehre noch nicht verfälscht wurde, bzw. sich noch nicht in verschiedene Schulen verzweigt hatte.

Der Autor bezieht den frühen Buddhismus in den religiösen und philosophischen Kontext seiner Epoche ein und zeigt die Gemeinsamkeiten, aber auch die Brüche und Unterschiede der neuen Religion. Gleichzeitig verortet Hansjörg Pfister den erkenntnistheoretischen Ansatz des frühen Buddhismus, bezogen auf die westliche Philosophie, bei Kant und seinem transzendentalen Idealismus. Das intellektuelle Wissen war in der indischen Philosophie, im Gegensatz zur westlichen, kein Wert an sich und nicht das Ziel, sondern auch und gerade für Buddha vielmehr ein Vehikel, mit dessen Hilfe man sich der Erleuchtung nähern konnte. Danach verliert es seinen Zweck und ist überflüssig.

Ein zentraler Punkt des Buches ist Pfisters Aussage, daß der Konditionalnexus, ohne den die buddhistische Literatur nicht zu verstehen ist, nicht in Zeitabschnitte geteilt werden kann. Im Gegensatz zur Kausalität, die ohne eine zeitliche Dimension nicht denkbar ist, kann der Konditionalnexus des frühen Buddhismus nicht in einer linearen Zeitlinie gedacht werden. Hat eine Kausalkette einen Anfangs- und, für uns westlich-philosophisch geprägt, hoffentlich einen Endpunkt, so besteht der alleinige Sinn der Konditionalität darin, alles mit allem zu verknüpfen. Löst sich ein Glied der Kette auf, dann lösen sich alle Glieder auf. Ist eine Bedingung irrelevant, werden alle irrelevant.

Im Gegensatz zu den anderen Weltreligionen für die das Wissen, die harten Fakten, essentiell notwendig ist, kommt der Buddhismus mit der Annahme des Möglichen und Wahrscheinlichen zurecht. Aus diesem Grund, so Pfister, kennt die buddhistische Philosphie keine Metaphysik. Erklärt die westliche Religion ihren Anhängern genau, wie sie sich zu verhalten haben, so zeigt die buddhistische Lehre eine Möglichkeit auf, die Welt zu sehen und zum Heilsziel, zum Nirwana, zu gelangen.

Hansjörg Pfister hat ein Buch veröffentlicht, dessen Zielgruppe sowohl im vorgebildeten Leser, als auch im Laien, der einen Überblick über den frühen Buddhismus sucht, besteht. Beide kommen aufgrund der exakten Darstellung des Autors auf ihre Kosten. Diese Einführung braucht den Vergleich mit anderen, voluminöseren Werken nicht zu scheuen. Im Gegenteil, die präzisen Formulierungen des Autors erleichtern dem Leser den Einstieg in das uns, westlich-philosophisch geprägten Menschen, doch manchmal erschwerte Verständnis der buddhistischen Religion. Fernab von dem in der Sekundärliteratur so oft anzutreffenden Populärbuddhismus und dem Vulgärbuddhismus selbsternannter "Erleuchteter", die in erster Linie auf die Geldbörsen ihrer Adepten schielen, geht Hansjörg Pfister den intellektuell redlichen Weg des genauen Quellenstudiums. Die Leser dieses Buches profitieren davon.




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